astrologie in der diskussion


Im Namen der Ratio


Der Astrologe Johannes Kepler
Der Astrologe Johannes Kepler

Alle Jahre wieder äußern sich besorgte Rationalisten öffentlich zum Thema Astrologie - und beweisen dabei vor allem, dass sie nicht die geringste Ahnung haben vom Thema, über das sie da berichten. So verwechseln sie zum Beispiel Sternbilder mit Tierkreiszeichen: Ein Fauxpas, der nicht einmal Anfängern der Astrologie passiert.

 

In ihrem missionarischen Eifer machen die Gegner der Astrologie dann außerdem genau das, was sie Astrologen vorwerfen: Sie suchen selektiv das für sie Passende aus und ignorieren klare Erkenntnisse, chronobiologische Studien sowie Statistiken, aus denen hervorgeht, dass es signifikante Auffälligkeiten bei bestimmten Planetenkonstellationen gibt. Wollen sie zum Beispiel "beweisen", dass das Tierkreiszeichen Steinbock ganz anders ist als die Astrologie erklärt, suchen sie gezielt nach wenigen Steinböcken, die anders sind. Ungeachtet der Tatsache, dass auch in der Astrologie hinlänglich bekannt ist, dass natürlich nicht alle Steinböcke typische Steinböcke sind, schließlich gibt es noch viele weitere Faktoren im Geburtshoroskop.

 

Um beim Beispiel zu bleiben: Das Zeichen Steinbock bedeutet Ernsthaftigkeit, Konzentration auf das Wichtige, Verantwortung, Dauerhaftigkeit, Gewissenhaftigkeit, allgemein gültige Gesetze, Regeln und Werte. Schauen wir mit diesem Wissen, wer in der Geschichte der Menschheit dadurch bekannt wurde, bedeutende Regeln und Gesetze zu benennen, stellen wir fest: Es sind Steinböcke wie Isaac Newton, Konrad Duden oder Johannes Kepler.

 

Tatsächlich gibt es in der Astrologie also die Kunst selektierender Wahrnehmung. Die darf aber nicht mit der selektiven Wahrnehmung ihrer Gegner verwechselt werden, die reflexartig alles ausblenden, was mit Astrologie zu tun hat, so dass sie nicht einmal über die einfachsten Grundkenntnisse verfügen. Selektierende Wahrnehmung indes ist vergleichbar mit der Wahrnehmung einer besonderen Geschmacksnote im Wein, zum Beispiel Brombeere, Kirsche oder Waldboden, die dem jeweiligen Wein seine Charakteristik verleiht. Gegner der Astrologie verhalten sich hier jedoch, als würden sie Weinkenner abmahnen wollen, nur weil sie die Brombeernote im Wein herausschmecken können ...

 

Im Gegensatz zur Brombeere im Wein existieren allerdings bereits Statistiken, die aufzeigen, dass Zusammenhänge zwischen Konstellationen und besonderen Merkmalen bestehen, zum Beispiel die umfangreichen Statistiken von Michel Gauquelin oder Gunter Sachs, beide übrigens Skorpione. Wobei die Statistiken von Gauquelin durch Professor Suitbert Ertel mehrfach klar verifiziert werden konnten. Und das obwohl die Astrologie tatsächlich statistisch schwer zu erfassen ist, denn eine Konstellation hat immer ein größeres Spektrum an Möglichkeiten, sich zu zeigen: So kann Mars einerseits mit Kämpfernaturen in Verbindung stehen, aber auch mit Menschen, die laut und direkt sind, außerdem mit Rockmusik, sportlichem Eifer, roten Autos, scharfen Pflanzen oder Werkzeugen aus Eisen. Venus hingegen steht für Kooperation, diplomatisches Geschick, schöne Dinge und Nettigkeit. Schon seit der Antike gilt sie als Gegenpol zu Mars.

 

Die Astrologie denkt in Sinnbildern, in übergeordneten, höheren Zusammenhängen. Und es ist auch ihr Ziel, Sinn herzustellen - eine Tugend, die Rationalismusgläubigen weitgehend abhanden gekommen ist, deren Weltanschauung im Grunde genommen materialistisch ist, was sie dann aber Astrologen vorwerfen. Dabei versuchen die Gegner der Astrologie oft voller Häme zu beweisen, dass diese bislang nicht mit naturwissenschaftlichen Mitteln erfasst werden kann - und verhalten sich hier, als wollte jemand, der nur schwarzweiß sehen kann, darauf pochen, dass Farben unsinnig sind.

 

Vielleicht hilft es an dieser Stelle zu wissen, dass die Astrologie gar keine Naturwissenschaft, sondern eine Kulturwissenschaft ist. Wolfgang Pauli, C. G. Jung, William Herschel, Schiller, Goethe, Plato oder Aristoteles: Viele namhafte große Geister haben sich bislang ernsthaft mit Astrologie befasst und daraus ihre Erkenntnisse gewonnen. In Gefahr geraten sind sie dadurch übrigens nicht. Außerdem wissen etliche moderne Physiker, dass es Resonanzen zwischen einzelnen Dingen gibt, die sich eben nicht allein mit einem mechanistischen Weltbild oder mit Gravitation, aber mit Synchronizität erklären lassen, weswegen sie der Astrologie durchaus zugeneigt sind.

 

Wie sehr vermeintlich aufgeklärte Menschen aber im Namen der Wissenschaft lieber konform ihrer Herde als mit offenem Verstand reagieren, und das dann auch noch deutlich emotional - darüber berichtet ausführlich der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend.