Das neue Zeitalter


Nicht Wassermann, sondern Steinbock


Das neue Zeitalter wird regiert von den Zeichen Steinbock und Krebs

Weltenjahr und Zeitalter

 

Die Annahme, dass es große Zeitalter geben soll, beruht zunächst darauf, dass der Frühlingspunkt ganz langsam durch die Sternbilder wandert, und zwar rückwärts. Weil die rotierende Erdachse ähnlich wie ein Kreisel taumelt, was in Fachkreisen auch Präzession genannt wird - wobei die Dauer einer Taumelbewegung knapp 26000 Jahre beträgt. Dieser Zyklus ist außerdem als Weltenjahr bekannt.

 

Der Frühlingspunkt gilt in der Astrologie als Startpunkt im Tierkreis und steht für alles, was sich neu durchsetzt. Vor ungefähr 2000 Jahren bewegte er sich vom Sternbild Widder in das der Fische. Deswegen glaubte man zu jener Zeit, dass sich Eigenschaften der Fische auf der Welt ausbreiten würden. Ein Irrtum, wie wir heute wissen. Denn die Themen der Tierkreiszeichen begründen sich durch die Jahreszeiten, und die kommen natürlich nicht von den Sternen.

 

Basierend auf einem Irrtum sollte also um das Jahr 0 das sogenannte Zeitalter der Fische beginnen, das der Menschheit Erlösung und Frieden bringen musste mit der Geburt des Christus. Und weil der Widderpunkt immer rund 2000 Jahre in einem Sternbild verweilt, folgerte man, dass um das Jahr 2000 n. Chr. dann der Übergang von den Fischen in den Wassermann kommen sollte - und freute sich vielerorts auf das beginnende Wassermann-Zeitalter, ein weiterer Irrtum.

 

Zu berücksichtigen ist auch, dass die Wanderung des Frühlingspunktes durch ein Sternzeichen gar nicht 2000, sondern rund 2150 Jahre dauert. Ein Zeitabschnitt von 2000 Jahren entspräche dabei einem Bereich, der nur 28° der Ekliptik umfasste. Das Sternbild Fische nimmt jedoch rund 37° der Ekliptik ein. Aufgrund der Größe der Fische kann das Wassermannzeitalter also erst um das Jahr 2600 starten - wird es aber nicht. Ebensowenig wie es ein Zeitalter der Fische gegeben hat. Denn dann hätten sich ja Eigenschaften der Fische durchsetzen müssen. Zum Beispiel Mitgefühl, Einssein mit Allem, Friedfertigkeit, Nächstenliebe, Toleranz, Bescheidenheit, Hingabe, universelle Liebe, Erlösung und Hilfsbereitschaft. Schauen wir jedoch, welche Eigenschaften die vergangenen 2000 Jahre am besten beschreiben, erkennen wir keine Epoche des Friedens und der universellen Liebe. Stattdessen sehen wir Ausbeutung, Kriege, Herrschsucht, Kapitalismus und die Zerstörung der Natur.

 

Die echten Zeitalter und die Galaktischen Knoten

 

Viel besser passt als Anzeiger für die Zeitalter ein ganz anderer Punkt: Der Schnittpunkt der Ebene, auf der sich die Planeten um die Sonne bewegen mit der nächst höheren Ebene, auf der die Sonne mit vielen weiteren Sternen um das Zentrum der Milchstraße kreist.

 

Stellen wir uns die beiden Ebenen wie zwei Ringe vor, so schneiden sich die, von der Erde aus betrachtet, an zwei genau gegenüber liegenden Punkten. Diese werden auch als "Galaktische Knoten" bezeichnet. Sie wandern mit der Präzession in 72 Jahren einen Grad vorwärts im Tierkreis. Die Galaktischen Knoten spielten übrigens auch in der Astrologie der indigenen Völker eine sehr große Rolle. Bei den Maya galten sie sogar als Kriterium für den Himmel an sich, weswegen ihr Schriftzeichen für "Himmel" stets die Kreuzung dieser beiden Himmelsbahnen zeigt.

 

Hier gibt es nun tatsächlich eine besondere Konstellation, die auch bereits von den Maya gefürchtet wurde: Denn die Sonne steht derzeit zur Wintersonnwende von der Erde aus betrachtet ziemlich genau am Galaktischen Knoten. Dort scheint außerdem die Milchstraße am hellsten, weil hier ihre meisten Sterne und ihr Zentrum sind. Außerdem ist an dieser Stelle ein dunkler Spalt zu erkennen, der aus stellarem Staub besteht, welcher das Licht der Sterne absorbiert. Dieser Spalt wurde von den Maya als Tor für die verstorbenen Seelen ins Jenseits, in die Unterwelt Xibalba betrachtet.

 

Bis heute stellt die Wintersonnwende für die meisten Kulturen einen wichtigen Wendepunkt im Jahreskreis dar. Sie zeigt den dunkelsten Tag auf der Nordhalbkugel, der aber auch jener Tag ist, an dem das Licht wiederkehren wird. Düstere Deutungen könnten nun schließen, dass die Wiederkehr des Lichts, ja die Hoffnung der Menschheit derzeit mit dem Abstieg in die Unterwelt verbunden ist. Daher rühren wohl auch die Mythen vom Weltuntergang aus Sicht der Maya um das Jahr 2012. Das "Tor der Seelen zur Unterwelt", also der Milchstraßenspalt, befindet sich jedoch mit einer Gesamtlänge von ca. 5° auf der Ekliptik. So gesehen steht die Sonne zur Wintersonnwende seit rund 140 Jahren bereits in diesem "Spalt" und wird es die nächsten 210 Jahre auch noch tun.


Derzeit befindet sich die Wintersonnwende genau am unteren Schnittpunkt von Erdumlaufbahn und Milchstraßenbahn
Derzeit befindet sich die Wintersonnwende genau am unteren Schnittpunkt von Erdumlaufbahn und Milchstraßenbahn

Da es sich bei der Wintersonnwende um einen wichtigen Punkt auf der Ekliptik handelt, während der Galaktische Knoten die Berührung zur nächst höheren Ebene anzeigt - ist das Zusammentreffen dieser beiden Punkte auch aus astrologischer Sicht ein besonderes Ereignis. Ob es eine große Zeitenwende anzeigen kann, bleibt zu prüfen, mag aber logisch sein, wenn wir gelernt haben, das Wirken von Synchronizität zu verstehen.

 

Dabei kommt es nur ein Mal in ungefähr 26000 Jahren vor, dass dieses Zusammentreffen erreicht wird. Schauen wir spaßeshalber, was vor ungefähr 26000 Jahren mit der Menschheit los war, können wir immerhin feststellen, dass damals der letzte Neandertaler verschwand. Die Wintersonnwende am Galaktischen Knoten kann daher für den Beginn eines neuen Weltenjahres stehen. Hier muss der moderne Mensch natürlich nicht gleich aussterben, aber es sollte sich eine andere Art des Menschseins durchsetzen - für die "globale Verantwortung" eine selbstverständliche Lebensgrundlage ist.

 

Vom Schützen in den Steinbock

 

In der Astrologie steht der Punkt der Wintersonnwende für den Beginn vom Steinbock. Davor befindet sich der Schütze. Betrachten wir den Galaktischen Knoten als Anzeiger für Zeitalter, müssten wir uns in den vergangenen ca. 2150 Jahren also in einem Schütze-Zeitalter befunden haben. Das passt ziemlich gut, denn kaum eine Zeit zuvor ist einhergegangen mit so viel Wachstum, Vermehrung, Missionierungsdrang und der Durchsetzung von Ideologien mit Feuer und Eifer wie diese, die sich außerdem durch Maßlosigkeit und optimistische Selbstüberschätzung ausgezeichnet hat. Wobei sich der Mensch beinahe gottgleich und verschwenderisch die Erde untertan gemacht hat. Positiv an dieser Phase war natürlich der Aspekt des geistigen Wachstums, der allgemeinen Bildung, der großen Reisen und der neuen Völkerverständigung mit entstehender Globalisierung. Diese Phase hat derzeit ihren Höhepunkt erreicht.

 

Nun befindet sich der Galaktische Knoten also im Steinbock. Das dürfte zunächst zu einer Krise führen, kann dann aber auch Konzentration auf das wirklich Wichtige bringen. Wir kommen also aus einem Zeitalter des Wachstums in ein Zeitalter der Verantwortung. Das geht nicht ohne eine Landung auf dem Boden der Tatsachen, nicht ohne gesunde Beschränkung und bewussten Umgang mit den Erdressourcen. Anstatt nach Quantität sollten wir besser nach Qualität streben. Es dürfte eine Epoche der Nachhaltigkeit, der Ehrlichkeit und Wahrheit bevorstehen. All diese Werte werden gerade konsequent eingefordert von Greta Thunberg - eine Art moderner Jesus für das neue Zeitalter und natürlich ein Steinbock, wobei Mond und Merkur sich bei ihr ebenfalls im Steinbock befinden.

Ein Steinbock mahnt zur Verantwortung: Greta Thunberg, Foto von Anders Hellberg, Wikimedia
Ein Steinbock mahnt zur Verantwortung: Greta Thunberg, Foto von Anders Hellberg, Wikimedia

Zu berücksichtigen ist außerdem, dass mit dem Eintritt des Galaktischen Knotenpunktes in den Steinbock der gegenüberliegende Knoten von den Zwillingen in den Krebs gewandert ist. Wir müssten also von ca. 150 v. Chr. bis vor Kurzem zusätzlich in einem Zwillinge-Zeitalter gewesen sein. Die Zwillinge-Seite dieses Zeitalters hat dabei weltweiten Handel, viele Entdeckungen, Erfindungen und neue Kenntnisse mit sich gebracht, von weiterentwickelten Kommunikationstechniken wie Papierherstellung und Buchdruck bishin zum Worldwide Web. Der Zwillinge-Seite dieses Zeitalters haben wir außerdem die Alphabetisierung, aber auch die Instrumentalisierung der Welt, den Siegeszug des Handels, ausbeuterisches Verhalten und die Herrschaft des Geldes zu verdanken.

 

Mit dem Eintritt in die Zeichen Krebs und Steinbock werden wir nun dazu aufgefordert, innezuhalten, zur Besinnung zu finden, das wirklich Wichtige zu erkennen und vielleicht auch wieder etwas langsamer zu werden, mehr auf die Seele als auf das Geschäft zu achten, die wahren Werte zu erkennen und Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Wir dürften uns in einer großen, lang andauernden Reformation befinden, durchaus wörtlich genommen als Zurückbesinnung auf die natürliche Form und die wirklichen Gesetze unseres Planeten.

 

Literaturhinweis: Kritik der astrologischen Vernunft, Dieter Koch, Verlag der Häretischen Blätter